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Kleine Geschichten

Familie und Beruf

Ein Vater erklärt seinem 5 jährigen Sohn, wie man "richtig" über die Straße geht:
„Schau Konstantin. Zuerst links, dann rechts schauen, bevor du über die Straße gehst.“
Konstantin sieht nach links und nach rechts und dann geht er über die Straße.

Nach einiger Zeit möchte Konstantin mit seiner Cousine Anna sie Straße überqueren. Der Vater sagt: „Konstantin, zeig Anna wie man richtig über die Straße geht.“ Darauf hin nimmt Konstantin begeistert Anlauf, er stürmt über die Straße, mitten auf der Straße ruft er „links, rechts“ und – glücklicher Weise - war er wohlbehalten über die Straße gekommen.

Er hatte zwar „links, rechts“ gesagt und auch die Kopfbewegung dazu gemacht, doch er hatte noch nicht begriffen, dass mit „links, rechts“ ein aktives Wahrnehmen der Verkehrssituation gemeint war.

Der Vater hatte sich nach dieser Situation vorgenommen, seinen Sohn öfter mal „wichtige Verhaltensweisen“ anderen Kindern vorzeigen zu lassen.

Impulse:

Wie oft wird in Unternehmen das jährliche „MitarbeiterInnengespräch“ durchgeführt, ohne dass Vorgesetzte wirklich begreifen, worum es dabei tatsächlich geht? Am Ende wird nur Papier produziert.

Wie häufig wissen Führungskräfte über die Wichtigkeit des eigenen persönlichen Vorbild-Seins für Ihre MitarbeiterInnen und wie wird dann wirklich mit Anerkennung und Fehlerkultur umgegangen. Häufig reicht es nur für eine „Weihnachtsansprache“ mit anschließendem Buffet.

Wie häufig sind Sie nicht Zeuge der Arbeitsweise, Kommunikationsfähigkeit und Fehlerkultur Ihrer MitarbeiterInnen? Das eigene Ansprechen von eigenen Fehlern erfordert ein beachtliches Maß an persönlicher Reife. Das konstruktive Ansprechen der Fehler von KollegenInnen erfordert ein beachtliches Maß an Teamgeist. Eigene Fehler können nicht immer selbst wahrgenommen werden und es bedarf konstruktiven Feedbacks.

Wie sehr sehnen Sie sich nach Vertrauen in Ihre MitarbeiterInnen und wie gehen Sie mit der eigenen „Selbstoffenbarung“ um? Gegenseitiges Vertrauen braucht ein gewisses Maß an Kollegialität. Hierarchien fördern Abhängigkeiten.

Aktives beobachten ist eine wesentliche Führungsaufgabe!

Teamgeist

Ein Vater klärt mit seinen beiden Kindern (7 und 9 Jahre), welche Spielregeln in der Wohnung wichtig sind. Er erstellt eine Liste worauf steht:

  1. Täglich 2x Zähne putzen
  2. Die Schmutzwäsche in den Wäschekorb legen
  3. Das Geschirr selbst in den Geschirrspüler geben
  4. Kein Essen im Bett
  5. Abends um 8.30 Nachtruhe
  6. Klohdeckel runter

Bei Verstößen gegen die Spielregeln wurde jeweils ein Strich auf die Liste gemacht. So konnte gesehen werden, wer wie oft gegen die Spielregeln verstößt. Jeder Verstoß kostete EUR 1.- Natürlich wurden dieses Geld nie eingefordert es sollte nur den spielerischen Charakter und den gegenseitigen Ehrgeiz fördern.

Doch: Es gab häufig Unzufriedenheit, vor allem dem Vater gegenüber.

Erst als der Vater seine Kinder fragte: „Welche Spielregeln braucht ihr von mir?“
Wurde die Liste ergänzt:

  1. Papa soll seinen Aufstecker auf die elektrische Zahnbürste selber herunter tun. Wir möchten dies nicht für ihn tun müssen.
  2. Papa muss geduldiger mit uns sein. Wenn er zu ungeduldig ist, dann kostet das EUR 3.-

Jeder durfte nun bei Verstößen durch die Anderen Striche auf die Liste machen. Als die Liste um diese Punkte ergänzt wurde und damit alle Teil des „Spiels“ wurden, hat es eine merkliche Verhaltensverbesserung gegeben. Der Vater hat darauf hin seine Kinder öfter zu einer Pizza eingeladen und er hat sich bei eigenen Verstößen auch bei seinen Kindern dafür „entschuldigt“.

Impulse:

Häufig gibt es Unternehmensleitbilder mit Werten&Spielregeln. Doch – die eigenen MitarbeiterInnen wurden kaum in diesen Prozess einbezogen. Dies kann zu einer schlechteren Akzeptanz dieser Werte&Spielregeln führen.

Vorgesetzte können rasch eine Wunschliste an Verhaltensverbesserungen an die eigenen MitarbeiterInnen erstellen. Doch – Wieweit können die eigenen MitarbeiterInnen auch Druck-frei Verhaltenswünsche an den Vorgesetzten stellen?

Was Ihnen wichtig ist, muss nicht den anderen wichtig sein. Wer mit Werten und Spielregeln arbeitet muss sich im Klaren sein, dass dies nur mit einer Team-orientierten Führungskultur umsetzbar ist. Die Mannschaft kann sich nur selbst und gegenseitig bei Verstößen aufmerksam machen. Positiver Ehrgeiz steht im Vordergrund und nicht Schadenfreude.

Wieweit gelingt es Ihnen, zu Ihren eigenen „Fehlern“ zu stehen und diese auch auszusprechen? Wie weit gelingt es Ihnen auch eigene Verhaltensweisen zu ändern? Z.B. Gesunde Ernährung und Sport? Aktives Zuhören? ...