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Zonenmodell

RAUS AUS DER KOMFORT-ZONE!
(Machen Sie sich dazu Gedanken im DENK LABOR)

"Wahrheit und Wahrheit sind zweierlei.
Der Vogel betrachtet sie von oben, der Fisch von unten."

Als Businesscoach ist es eine meiner zentralen Aufgaben, Führungskräfte aus ihrer subjektiv empfundenen „Komfort-Zone“ heraus zu locken und sie hinein in ihre „Stretch-Zone“ zu führen. Dort wird die Handlungskompetenz erweitert. In der Strecht-Zone herrscht jedoch erhöhte innere Unsicherheit, denn man bewegt sich in neuen Situationen – tiefer gehende positive Erfahrungen fehlen und Fehler können geschehen. Eine Überdehnung der Stretch-Zone führt in die Panik-Zone. Dort geht auf Grund der Überforderung (Angst) nichts mehr. Flucht, Tot-Stellen oder Angriff sind dann bekannte Reaktionsmuster.

Ein Beispiel zum Zonen-Modell: Wenn Sie den PKW-Führerschein besitzen, dann können Sie wahrscheinlich gut mit dem Auto fahren. In einer Notsituation könnten Sie eventuell auch einen LKW nach mehreren Fehlversuchen doch einige Meter nach vor fahren. Aber ein Flugzeug würden Sie dann wohl eher doch nicht steuern wollen (Panik-Zone).

Die eigene Sichtweise der Dinge und die eigenen Standpunkte entstehen in unseren Köpfen. Haben wir einmal eine Einstellung gewonnen, so entstehen bewusste und unbewusste „Zementierungsprozesse“, z.B. selektives Wahrnehmen, Projektion der „eigenen Magenschmerzen in die Gesichter der Kollegen“, Abwehr durch Überhören und Übersehen, u.ä.m. Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, hat auf den zweiten Blick folgende Vorteile: Die Führungskraft fühlt sich sicherer! Ihr Selbstvertrauen steigt! Eigene Kontrollansprüche an Situationen scheinen verwirklicht! Die Komfort-Zone wird gesichert.

Was geschieht jedoch bei Fällen, in denen die Zeichen schon längst auf Sturm stehen und niemand darauf reagiert? Die Führungskraft sieht es nicht und die Mitarbeiter „stellen sich tot oder laufen davon“? Rahmenbedingungen ändern sich, doch es wird von niemandem wahrgenommen bzw. thematisiert, es wird einfach „überhört“.

Was kann getan werden, um in die Strech-Zone zu kommen und mit Veränderungen konstruktiv umgehen zu können?

  1. Fehlertoleranz entwickeln! Nicht der Fehler ist das Problem, sondern wie damit umgegangen wird. Wie stellen Sie das Lernen bei sich und in Ihrer Organisation sicher? Wie wird mit Fehlern ganz konkret umgegangen? Gibt es „Verlierer“? Finden „abweichende Ansichten“ die nötige Resonanz im Unternehmen?
  2. Ambiguitätstoleranz entwickeln! Hier ist eine Verabschiedung von den „richtig oder falsch“ bzw. „Täter – Opfer“ Standpunkten gefordert. Situationen und Ereignisse haben viele Standpunkte. Ihrer ist einer davon. Ihre Nachteile sind Vorteile für andere. Ihre Probleme sind Lösungen für andere. Die Ansprüche an Planbarkeit sind Fiktion. Der prognostizierbare Planungshorizont kann nur ein kurzer sein, vor allem in einer Welt des sich beschleunigenden Wandels! Von Führungskräften ist also gefordert, uneindeutige Situationen „auszuhalten“ und im Gegenzug ihre eigene Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit zu schulen und zu schärfen! Mit wem schärfen Sie Ihre Wahrnehmungsfähigkeit? Wissen Sie, was Sie nicht wahrnehmen können? (Nein!) Was tun Sie also, um mehr wahrnehmen zu können?
  3. Skills Training! Die Wahrnehmungs- und Reflexionsfähigkeit kann geschult werden. Individuell durch Coaching oder durch gruppendynamische Seminare. Aktives Zuhören und Zusehen sind wichtige Führungskompetenzen!
  4. Stärkung einer auf Vertrauen basierenden Unternehmenskultur! Angst bei Mitarbeitern kann trotzdem gute Resultate erzeugen (z. B. Angst vor dem Entlassen werden). Jedoch: Innovationen, Offenheit und Dynamik bekommt das Unternehmen mit einer auf Angst gebauten Führungskultur nicht. Vertrauen wird u. a. gefördert durch: Regelmäßige Einzelgespräche (Vorgesetzter:Mitarbeiter), Etablierung einer konstruktiven Feedback-Kultur, Einzelcoaching zur Bearbeitung eigener „blinder Flecken“.

Die eigene Komfort-Zone MUSS ständig überprüft werden und häufig sogar verlassen werden. Denn die Rahmenbedingungen und Situationen ändern sich!!

Beispiele können sein:

  • Jobwechsel
  • Beförderung
  • Übernahme von Projektverantwortung
  • Notwendige Aussprachen mit MitarbeiterInnen
  • Auftritte in der Öffentlichkeit
  • Veränderungsdruck
  • Gesundheitliche Schwierigkeiten

Als Coach mache ich immer wieder die Beobachtung, dass „das bekannte Unglück dem unbekannten Glück vorgezogen wird!“. Denn das Unbekannte heißt eben Unsicherheit und Ambiguität (= Mehrdeutigkeit der Situationen). Diese aushalten und bewältigen lernen und dem Neuen konstruktiv gegenübertreten heißt es. „Niemals anzukommen, immer unterwegs zu bleiben“ - kann eine ernüchternde Einsicht sein, doch: dadurch kann sich auch Ihre Persönlichkeit umfangreich entfalten. Was immer kommen mag, Sie werden damit umgehen lernen.

Und zum Schluss: „Wenn du tust, was du immer getan hast, wirst du bekommen, was du immer bekommen hast.“ Wer kontinuierlich seine Stretch-Zone erweitert schöpft seine Potentiale besser aus und wird dadurch erfolgreicher.